Leonardo da Vinci war eines der größten Universalgenies aller Zeiten. Er interessierte sich für alles, die Natur, Wissenschaft, Kunst, den Bau. Er lebte in der Zeit dynamischen Zeit der Renaissance und arbeitete als Ingenieur, Wissenschaftler, Maler und Konstrukteur. Seine Werke sind noch heute aktuell und Mailand ist ein wichtiges Reiseziel zum Thema Leonardo da Vinci.

Leonardo da Vinci in Mailand

Stationen seines Lebens

Kindheit und Jugend in Florenz

Leonardo wurde am 15. April 1452 als uneheliches Kind in Anchiano bei Vinci geboren. Sein Vater war der Florentiner Notar Piero aus Vinci und seine Mutter die Magd Caterina. Leonardo kam im Alter von 5 Jahren zu seinem Vater nach Florenz, wo er eine Ausbildung in der Werkstatt des Künstlers Andrea del Verrocchio erhielt. Dieser erkannte bereits früh die außergewöhnlichen Talente und wissenschaftlichen Fähigkeiten von Leonardo. Leonardo da Vinci wird als aufgeschlossener und freundlicher Mensch beschrieben. In der Werkstatt von Verrocchio traf er mit dem Maler Sandro Botticelli und Perugino zusammen. Später kam auch Michelangelo Buonarroti nach Florenz.

In Florenz malte Leonardo da Vinci in der Werkstatt von Verocchio den linken Engel im Gemälde "Die Taufe Christi" (Bild rechts). Das Gemälde ist in den Uffizien in Florenz ausgestellt.

Madonna in der Felsengrotte
Die Taufe Christi (Bild rechts) und die Madonna in der Felsengrotte (Bild links) - Ausstellung 2019 in der Sakristei der Kirche Santa Maria delle Grazie

In seiner Freizeit beschäftigte sich Leonardo da Vinci intensiv mit Studien zu Kriegsgeräten. Skizzen dazu findet man im Codex Atlanticus sowie als Modelle im Museum für Wissenschaft und Technologie Leonardo da Vinci in Mailand. Mit diesen Skizzen bewarb er sich am Mailänder Hof als Konstrukteur.

Leonardo da Vinci in Mailand von 1482 bis 1499

Leonardo verbrachte zwei lange Perioden seines Lebens in Mailand. Die erste begann 1482 nach seinem Wegzug aus Florenz. In Mailand wurde Leonardo vom Fürsten jedoch nicht zum Bau von Kriegsmaschinen, sondern für das "Event-Management" am Hof angestellt.

Von 1482 bis 1499 war er am Mailänder Castello Sforzesco unter dem Herzog Ludovico Maria Sforza, genannt Ludovico il Moro, tätig (Geschichte Mailands). Er war für das kulturelle Leben und die Kunst im Herrschaftshaus der Sforza verantwortlich und ließt sich dafür viel neues einfallen.

Bereits früh begann Leonardo, seine Erkenntnisse und Skizzen in einem Notizbuch zu sammeln, das er stets bei sich trug. In diesen Büchern, den "Codici" zeichnete er Gesichter, Erscheinungen aus der Natur, berechnete mathematische Zusammenhänge, konstruierte Flaschenzüge und technische Erfindungen. Er war Linkshänder und schrieb in Spiegelschrift und manchmal auch in einer Art Geheimschrift, was es nach seinem Tod schwierig machte, seine wissenschaftlichen Aufzeichnungen zu entziffern. Sie verschwanden für mehrere Jahrhunderte in privaten Sammlungen.

Als wieder einmal die Pest über Mailand kam, erkannte Leonardo den Zusammenhang zwischen Sauberkeit und Gesundheit. Er beschäftigte sich mit dem Wasser- und Abwassersystem und organisierte die Müllabfuhr in Mailand.

Die Werke Leonardos aus seiner Zeit in Mailand

Das Cavallo di Leonardo

Das Pferd von Leonardo im Hypodrom Mailand
Das Pferd von Leonardo

Als erstes großes Auftragswerk am Mailänder Hof erhielt Leonardo den Auftrag, eine Reiterstatue zu Ehren von Francesco Sforza, dem Vater von Ludovico il Moro, zu schaffen. Dafür beschäftigte sich Leonardo intensiv mit der Anatomie von Pferden. Er wollte die größte Reiterstatue aller Zeiten aus Bronze schaffen. Die Herausforderung war, dass diese nur auf den beiden Hinterbeinen stehen sollte. Es existieren zahlreiche Skizzen und Modelle zu dem Projekt. Leider wurde das Pferd in der Form nie fertiggestellt, da die gesamte vorgesehene Bronze wegen des bevorstehenden Krieges gegen die Franzosen zu Kanonenkugeln eingeschmolzen wurde.

Das Letzte Abendmahl

Das Letzte Abendmahl
Das Letzte Abendmahl

Leonardo da Vinci erhielt 1494 den Auftrag für das Wandgemälde das Letzte Abendmahl. Der Mailänder Fürst Ludovico il Moro hatte sich die Kirche Santa Maria delle Grazie als Mausoleum für seine Familie ausgesucht. Vier Jahre arbeitete Leonardo an dem Meisterwerk, wofür er oft meditierte sowie Menschen aus dem Alltag und seine anatomischen Untersuchungen als Vorbild für seine Skizzen nahm.

Madonna in der Felsengrotte und weitere Werke aus der Mailänder Periode

Monumento Leonardo da Vinci und seine Schüler in Piazza della Scala
Monumento Leonardo da Vinci und seine Schüler in Piazza della Scala

In den Jahren 1483 - 1486 entstand die erste Fassung der Madonna in der Felsengrotte. Dieses Gemälde hat als Hintergrund die bizarren Felsen im Fluss Adda nahe bei Mailand. Entlang des Flusses konstruierte Leonardo ebenfalls Teile für die Schleusen. Die Felsgrottenmadonna kann im Louvre in Paris bewundert werden.

Der Vitruvianische Mensch

Der Vitruvianische Mensch
Der Vitruvianische Mensch

Leonardo verbrachte während seiner Mailänder Zeit auch einige Monate an der Universität im nahe gelegenen Pavia. Hier konnte er sich ungestört mit Mathematik, Physik und Forschungen zu den Proportionen des menschlichen Körpers beschäftigen. Aus den Studien nach Vitruv entwickelte er ein Model der Körperproportionen, heute bekannt als "Vitruvianischer Mensch". Eine Kopie ist im Museum für Wissenschaft und Technologie in Mailand ausgestellt.

Den Vitruvianischen Menschen finden Sie auf der italienischen 1-Euro-Münze.

Codex Atlanticus

Im Codex Atlanticus sind auf 1119 Seiten die Skizzen des Genies Leonardo da Vinci aufgezeichnet. Im Zeitraum von 40 Jahren, d.h. von 1478 bis 1519, finden sich in den Aufzeichnungen seine Gedanken und Konstruktionen zu allen möglichen wissenschaftlichen, technischen und anatomischen Themen. Die Originalzeichnungen des Codex Atlanticus befinden scih in der Bibliothek Ambrosiana und können besichtigt werden.

Sala delle Asse

Sala delle Asse im Castello Sforzesco
Sala delle Asse im Castello Sforzesco

Nach dem Tod von Beatrice d'Este, der geliebten Frau von Ludovico il Moro beauftragte der Fürst Leonardo mit der Bemalung des Schlafraums im Erdgeschoss des Castello Sforzesco. Dieser Raum wird als "Sala delle Asse" bezeichnet. Er wurde im Jahr 2019 restauriert und die Originale konnten freigelegt werden.

Dame mit Hermelin

In der ersten Mailänder Periode entstanden weitere berühmte Werke wie die "Dame mit Hermelin", die eine Geliebte Ludovico Sforzas darstellt. Sie hieß Cecilia Gallerani und lebte in einem Haus in der Mailänder Altstadt, das heute "Corte di Leonardo" genannt wird. Das Gemälde befindet sich im Czartoryski-Museum in Krakau.

Vigne di Leonardo

Der Weingarten Vigne di Leonardo
Der Weingarten Vigne di Leonardo

Da Lodovico il Moro mit den Zahlungen für seine Auftragswerke im Rückstand war, erhielt Leonardo als Ausgleich ein Weingut gegenüber der Kirche Santa Maria delle Grazie. Die "Vigne di Leonardo" wurden im Hof des Anwesens im Jahr 2015 rekonstruiert. Um den Originalwein zu erhalten, wurde aus Genspuren der ehemaligen Reben ein neuer Weingarten angelegt. Inzwischen gibt es auch den daraus gewonnenen Wein (Malvasia di Milano und Dama di Milano) zu kaufen, der nach der damaligen Tradition aus den Trauben des Weingutes hergestellt wurde. Das Weingut kann im Rahmen einer Führung Auf den Spuren von Leonardo da Vinci in Mailand besichtigt werden.

Zweite Mailänder Periode von 1506 - 1513

Mailand wurde von Franzosen besetzt, Ludovico il Moro festgenommen und Leonardo zog 1499 aus Mailand fort. Von 1499 bis 1512 wanderte er durch Italien und kam anschließend nach Florenz zurück. 1502 ging er nach Rom zum Papst Cesare Borgia.

1506 nahm Leonardo ein Angebot aus Mailand an und stellte sich in den Dienst des französischen Hofes unter dem Marschall von Chaumont Charles d’Amboise, der damals in Mailand regierte. Er beschäftigte sich mit wissenschaftlichen Studien und anatomischen Forschungen des Menschen. Ein weiteres großes Gebiet war das Wassernetz Mailands als Transportweg und Bewässerungssystem für die Landwirtschaft der Po Ebene. Er konstruierte den ersten Wasserzähler. Es entstand die zweite Version der Madonna in der Felsgrotte und er arbeitete an seiner Mona Lisa weiter.

Leonardo verbrachte viel Zeit in der Villa Melzi bei seinem Freund und Schüler Francesco Melzi in Vaprio d’Adda. Der Fluss Adda hatte es dem Genie angetan und er verbrachte viel Zeit bei seinen Studien.

1512 zog der inzwischen 60-jährige Leonardo da Vinci in die Villa Melzi zu seinem Freund, nachdem sich die Herrschaftsverhältnisse in Mailand geändert hatten. Aus dieser Zeit stammt die Zeichnung des Selbstbildnisses von Leonardo da Vinci, die sich in der Biblioteca Reale in Turin befindet. Francesco Melzi war der Erbe der Skizzen und Aufzeichnungen des seines Freundes, die später von der Familie an private Sammler verkauft wurden.

Villa Melzi in Vaprio d'Adda
Villa Melzi in Vaprio d'Adda